ERZIEHUNG Diplom-Sozialpädagogin Annette Schwägerl und Kindergarten-LeiterinMarlies
Andresen gaben Tipps für eine gewaltfreie und respektvolle Erziehung.
„Der Blick ist wie ein zweites Rückgrat.“
ANNETTE SCHWÄGERL
In der Erziehung sind Respekt und Gewaltlosigkeit oberstes Gebot. Dennoch müssen sich Eltern auch durchsetzen und dabei Vertrauen und Selbstbewusstsein der Kinder wahren. Was kann man tun, wenn Kinder nach mehrmaligem Bitten der Eltern immer noch nicht reagieren und es schwer fällt, ruhig zu bleiben? In vielen Fällen werden in solchen Situationen Eltern ungeduldig, sie werden laut und brüllen oder wenden sogar Gewalt an. Ergebnis solcher unbeherrschter, eskalierender Situationen sind weinende Kinder und frustrierte Eltern, die sich als Versager fühlen. In dem außerordentlich gut strukturiertem Vortrag, der durch Filmszenen in seinen vier Hauptthemen unterstützt wurde, wurden jeweils im kurzen Gespräch Erfahrungen ausgetauscht und Konsequenzen für ein richtiges Verhalten festgehalten.
Verständnis für das Kind ist wichtig
Der Weg aus der Brüllfalle führt über ein besseresVerständnis für dasKind.Wichtige Thesen sind dabei, die Kinder durch Lob zu stärken und dies durch eine dezente Belohnung zu unterstreichen. Eine positive Grundstimmung ist ermunternd und aktivierend für das Kind. Kinder sind „Hüllenwesen“, das heißt sie nehmen nur das richtig wahr, was für sie gerade wichtig ist: Wenn sie spielen, ist Spielen sehr wichtig für sie. In dieser Situation sind sie von einer Schutzhülle umgeben, und alles andere um sie kommt nicht an sie heran. Da hilft es nichts, von einem anderen Zimmer aus zuzurufen. Deshalb sei es gut, in die Kinderwelt zu horchen, bevor man lautstarke Befehle ausrufe. „Worte allein überzeugen Kinder nicht, genauso wie man unsichtbar auch unerlebbar für Kinder bleibt. Das heißt: Eltern, die aus irgendeinemZimmer etwas zurufen, wirken wie ein Phantom. Richtig ist es, sichtbar zu werden und den Blickkontakt aufzunehmen. Der Blick ist wie ein zweites Rückgrat.“ Der vierte Teil befasste sich mit der Thematik „Was Eltern schwächeln lässt“. So sollte ein „nein“ auch ein „nein“ bleiben. Das heißt, keine „Rede-Inflation“ auf das Kind einfließen lassen, sondern kurz und prägnant beim „nein“ zu bleiben.Dabei sei eswichtig, die „Ich-Botschaft“ zu beachten, was nichts anderes heißt, als seine Gefühle ausdrücken. Annette Schwägerl rät zu Gelassenheit und Geduld – und vor allem auch an sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse zu denken. „Kinder kostenKraft und sind eine große Herausforderung, andererseits aber sind sie auch unser größtesGeschenk. Zweiter Bürgermeister Friedrich Thaler, der Ideengeber zum Vortrag war, dankte neben Schwägerl auch Andresen, die die DVD zum Themenabend besorgt hatte, sowie deren Kolleginnen Jutta Spielvogel und Heidi Löffler.
Experten raten Eltern, nicht ungeduldig oder laut zuwerden. Eine gute Grundstimmung wirkt sich auch positiv auf die Erziehung aus.
Quelle: FRÄNKISCHER TAG, FREITAG, 9. OKTOBER 2009 / KARL-HEINZ HOFMANN
Eltern tappen oft in die Brüllfalle